Deutsche Bahn

Die LZB wird durch ETCS abgelöst

Hier erhalten Sie Informationen zum weiteren Vorgehen und den Planungen der LZB-Migration und -Ablösung.

Ausgangssituation der Linienzugbeeinflussung

Die Linienzugbeeinflussung (LZB) ist in Deutschland seit 1975 im Einsatz und ermöglicht im Fernverkehr höhere Streckengeschwindigkeiten als 160 km/h. Auch der Güterverkehr profitiert dank der "elektrischen Sicht" (anzeigegeführtes Fahren) von schnelleren Fahrten, da  längere Bremswege ermöglicht werden. Außerdem erhöht die LZB ohne zusätzliche Lichtsignale die Kapazität auf der Strecke.

Heute hat die DB Netz AG ca. 2.500 km Strecken mit LZB in Betrieb. Diese Strecken sind im Infrastrukturregister der DB Netz AG dargestellt. - Vgl. hierzu www.dbnetze.com/isr

Als Nachfolgesystem für LZB kommt ETCS-Level 2 zum Einsatz. ETCS L2 bietet ab der Baseline 3 gleiche technische Eigenschaften und die gleiche Leistungsfähigkeit wie die LZB heute.

Doch wie lässt sich die LZB durch ETCS L2 unter dem rollenden Rad ablösen?

Die DB Netz AG erarbeitet ein Konzept für die stufenweise Ablösung der LZB und betrachtet dabei jede Strecke mit ihren individuellen Randbedingungen separat. Dieses Ablösekonzept verfolgt folgende Ziele:

  • eine wirtschaftliche und für alle Parteien effiziente, stufenweise Ablösung der LZB durch ETCS L2 in den 2020er Jahren zu gewährleisten
  • die Abstimmung der LZB-Ablösung mit den Kunden der DB Netz AG
  • den Weiterbetrieb der LZB bis zum Ende ihres Lebenszyklus sicherzustellen
  • die Abstimmung mit der LST-Anlagenplanung der DB Netz AG
  • die ETCS-Migration mithilfe von infrastrukturseitigen Doppelausrüstungen zu optimieren (soweit erforderlich bzw. möglich)
  • eine langfristige Planungssicherheit für alle Beteiligten zu gewährleisten

Die DB Netz AG schätzt die LZB als ein sehr leistungsfähiges und zuverlässiges System, das das Ende seines Lebenszyklus auf vielen Strecken noch nicht erreicht hat. Der Infrastrukturbetreiber ist somit an einem möglichst langen Weiterbetrieb interessiert. Dagegen sprechen jedoch steigende Kosten für die Instandhaltung und Systempflege, sowie die abzusehende Abgängigkeit des Systems.

Für die Eisenbahnverkehrsunternehmen sind die Anforderungen sehr unterschiedlich und komplex. Im Personennah- und Fernverkehr gibt es langfristige Flottenplanungen und feste Linienführungen. Verkehrsunternehmen im SPNV (Schienenpersonennahverkehr) operieren regional begrenzt und im Rahmen von Verkehrsverträgen. Diese Fälle erfordern eine mittelfristige Planung der ETCS-Aus- bzw. Nachrüstung der Fahrzeuge oder ggfs. eine Verlagerung von Altfahrzeugen ohne ETCS-Ausrüstung auf andere Strecken.

Der Güterverkehr ist geprägt durch viele flexible Ad-hoc-Verkehre. Viele Fahrzeuge verkehren „kreuz und quer“ durch Deutschland und Europa. Daher ist die ETCS-Aus- bzw. Nachrüstung der Flotte für die Güterverkehrsunternehmen eine große Herausforderung. Eine zeitweise Doppelausrüstung mit ETCS L2 auf möglichst allen LZB-Strecken mit Güterverkehr ist aus Sicht des SGV (Schienengüterverkehr) daher wünschenswert.

Laut derzeitigem Entwurfsstand ist die DB Netz AG bestrebt alle LZB-Strecken - sofern wirtschaftlich vertretbar - noch bis in die 2020er Jahre weiter zu betreiben. Anschließend wird schrittweise auf ETCS umgerüstet. Die Ausrüstung der LZB-Strecken mit ETCS wird Anfang der 2020er Jahre beginnen und bis ca. 2030 abgeschlossen sein. Die meisten LZB-Strecken der DB Netz AG sollen bis voraussichtlich 2026 in Betrieb bleiben. Ab 2026 wird die LZB schrittweise außer Betrieb genommen. Durch dieses Vorgehen sollen die betroffenen EVU dabei unterstützt werden, die ETCS-Umrüstung ihrer Fahrzeuge über einen längeren Zeitraum planen und durchführen zu können.

Um die Migration zu optimieren ist eine zeitweise Doppelausrüstung mit LZB und ETCS auf einigen Strecken vorgesehen. Doppelausrüstungen bedeuten jedoch für den Infrastrukturbetreiber einen erhöhten Aufwand in Investition, Betrieb und Instandhaltung. Darum sollten sie in Abstimmung mit den Kunden nur dort erfolgen, wo es unbedingt erforderlich ist. 

Auf einigen Strecken soll die LZB durch ETCS-Level 2 ohne Signale (L2oS) ersetzt werden. Eine konventionelle Signalisierung mit Lichtsignalen und PZB entfällt so. Dies bedeutet hier das eine Doppelausrüstung mit LZB aus betrieblichen und technischen Gründen nicht möglich ist. ETCS wird auf diesen Strecken zum Streckenzugangskriterium.

Planungen zum Ablösekonzept inklusive der Themen Doppelausrüstung und ETCS als Netzzugangskriterium erfolgen schrittweise in den nächsten Jahren. Die DB Netz AG informiert hierzu frühzeitig.

Es gibt zwei LZB-Bauformen: 

  • die LZB L72 und
  • dieLZB L72 CE. 

Bereits im Jahr 2012 hat der Hersteller die ältere Bauform L72 abgekündigt. Daher werden alle L72-Anlagen in den kommenden Jahren auf die neuere Bauform L72 CE migriert.

Zur zeitlichen Orientierung dient das Dokument „LZB-Migrationsplan“, welches nebenstehend zum Download bereitsteht. Änderungen werden nach Bekanntwerden dort eingepflegt.

Ziel der LZB-Migration ist der Erhalt der Leistungsfähigkeit des Netzes durch die Gewährleistung der uneingeschränkten Verfügbarkeit der LZB bis zur Ablösung durch ETCS.

Um auf L72 CE-Strecken fahren zu können, müssen die Triebfahrzeugführer entsprechend ausgebildet sein. Durch die LZB L72 CE gibt es systemseitige Änderungen für die Triebfahrzeugführer, die auch in der Bedienungsrichtlinie 483.0202 beschrieben sind. 

Auch die neuere Bauform L72 CE wird nicht weiterentwickelt, ihre technische Lebensdauer ist absehbar. Nach der TSI ZZS ist sie ein Klasse-B-System, das durch ETCS zu ersetzen ist.