Deutsche Bahn
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Betriebliche Durchführung mit ETCS

Informationen zur betrieblichen Durchführung von Zugfahrten mit ETCS.

Die Regelungen zur Durchführung von ETCS-Fahrten finden sich u. a. in der Richtlinie 408 (Züge fahren und rangieren) sowie in der Richtlinie 483.0701 (ETCS-Fahrzeugeinrichtungen bedienen).

Die Durchführung des Betriebs unter ETCS Level 1 Limited Supervision ist vergleichbar mit Fahrten unter punktförmiger Zugbeeinflussung (PZB). Diese Fahrten werden im Gegensatz zu ETCS Level 2 (und LZB) signalgeführt durchgeführt.

Zugfahrten unter ETCS Level 2 sind im Regelbetrieb anzeigegeführt. Das bedeutet, dass der Triebfahrzeugführer die Führungsgrößen (Sollgeschwindigkeit, Zielgeschwindigkeit und Zielentfernung) wie bei der Linienzugbeeinflussung (LZB) der Führerraumanzeige entnimmt. Eine Beobachtung der Außensignalisierung ist grundsätzlich nicht mehr erforderlich.

Rangierfahrten werden auch weiterhin nach den bekannten Regeln der Richtlinie 408 durchgeführt. ETCS überwacht lediglich die Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h.

Auf grenzüberschreitenden Strecken können sich auch in Bezug auf die Nutzung des Zugbeeinflussungssystems ETCS Zusatzbestimmungen ergeben. Die betreffenden Regelungen finden sich in den Zusatzbestimmungen für grenzüberschreitende Bahnstrecken.

Für eine Zugfahrt unter ETCS-Überwachung ergeben sich folgende Abläufe:

Bei der Vorbereitung der Zugfahrt gibt der Triebfahrzeugführer die Zugdaten (z. B. Zuglänge, Höchstgeschwindigkeit, Bremshunderstel etc.) in das Driver Machine Interface (DMI, in der Regel ein modulares Führerraumdisplay) ein.

Beginnt die Zugfahrt in einem Bereich mit ETCS Level 2, meldet sich das ETCS-Bordgerät mit diesen Daten bei der ETCS-Zentrale (Radio Block Center - RBC) an. Beginnt die Zugfahrt nicht in einem Bereich mit ETCS Level 2, wird sie zunächst unter PZB-Überwachung begonnen. Kurz vor einem mit ETCS Level 2 ausgerüsteten Bereich wird automatisch die Funkverbindung zum RBC hergestellt und die Zugdaten werden an das zuständige RBC übermittelt.

Sobald alle Voraussetzungen für die Zugfahrt in den Bereich mit ETCS Level 2 erfüllt sind, werden die Führungsgrößen an das Fahrzeug übertragen und die Überwachung der Zugfahrt durch ETCS übernommen.

Der Tf entnimmt die Führungsgrößen der Führerraumanzeige. Die Bewegungen der Züge sowie die örtliche Höchstgeschwindigkeit, die Höchstgeschwindigkeit des Zuges und die Fahrtrichtung werden permanent von der ETCS-Zentrale überwacht. Bei ETCS Level 2 wird zwischen zwei Ausrüstungszuständen unterschieden.

ETCS-Strecken ohne Lichtsignale

Neu sind Strecken ohne konventionelle Signalisierung. Beginnend mit den Neubaustrecken des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit (VDE) 8.1 Nürnberg - Erfurt und VDE 8.2 Erfurt - Halle / Leipzig wird auf die Aufstellung von Lichtsignalen verzichtet. Die Standorte der virtuellen Hauptsignale werden durch ETCS-Halttafeln (Nebensignal 14, kurz: Signal Ne 14) gekennzeichnet, welche im Fall einer großräumigen Störung die nutzbaren Blockabschnitte begrenzen. Auf der freien Strecke erfolgt die Blockteilung in der Regel durch Blockkennzeichen, wodurch die Leistungsfähigkeit erhöht werden kann.

Dieser Ausrüstungszustand wird als ETCS Level 2 ohne Signale (ETCS L2oS) bezeichnet; mit Signal ist hierbei Lichtsignal gemeint.

ETCS-Strecken mit Lichtsignalen

In der Regel wird ETCS Level 2 in Ergänzung zu den bestehenden Zugbeeinflussungssystemen aufgebaut. Die ETCS-Halttafeln werden an vorhandenen Lichthauptsignalen montiert. Zusätzlich können Blockkennzeichen, die nur für anzeigeführte Züge nutzbar sind, die Leistungsfähigkeit erhöhen. Diese Ausrüstungszustand wird als ETCS Level 2 mit Signalen (ETCS L2mS) bezeichnet. 

Wenn der Zug in seinem Zielbahnhof angekommen ist, kann der Tf in die ETCS-Betriebsart Shunting wechseln, um ggf. notwendige Rangierarbeiten durchzuführen. Andernfalls übernimmt ETCS mit der Deaktivierung des Führertischs und dem daraus resultierenden Wechsel in die ETCS-Betriebsart Stand by die Stillstandsüberwachung, so dass sich der Fahrzeugverband nicht unbeabsichtigt bewegen kann.